Was ist Kunst?
+Tom Herpel
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-Tom Alexander Herpel
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Was ist Kunst?
++ Nach Schelling ist die Kunst das Erzeugnis oder die Folge jener + Weltanschauung, nach der das Subjekt sich in sein Objekt verwandelt oder + das Objekt selbst 45 zum Subjekt wird. Die Schönheit ist die Darstellung + des Unendli- chen im Endlichen. Und der Grundcharakter eines Kunstwerkes + ist die bewußtlose Unendlichkeit. Die Kunst ist die Vereinigung des + Subjektiven mit dem Objektiven, – der Natur mit der Vernunft, der + Bewußtlosigkeit mit dem Bewußten. Und deshalb ist die Kunst das höchste + Mittel der Erkenntnis. Die Schönheit ist die Betrachtung der Dinge an + sich, wie sie in Urbildern sind. Das Schöne erzeugt nicht der Künstler + vermöge seines Wissens oder seines Willens, sondern die Idee der + Schönheit selbst schafft in ihm. (Schaßler) +
++ In der Welt erblicken wir nur die Entartung der Grundidee, die Kunst + jedoch kann ver- möge der Phantasie sich bis zur Höhe der Grundidee + erheben. Und deshalb ist die Kunst das Ebenbild der Schöpfung + (Schaßler). +
++ Nach einem anderen Anhänger Schellings, Krause (1781–1832), ist die + wahre reale Schönheit die Erzeugung der Idee in der indivi- duellen + Form; die Kunst ist aber die Verwirklichung der Schönheit in der Sphäre + des freien menschlichen Geistes. Die höchste Stufe der Kunst ist die + Kunst des Lebens, die ihre Thätigkeit auf die Verschö- nerung des Lebens + richtet, damit dies ein schön belebter Wohnort für die selber in + Schönheit vollendete Menschheit sei. (Ebd.) +
++ Nach Hegel (1770–1831) offenbart sich Gott in Natur und Kunst unter der + Form der Schönheit. Gott äußert sich auf zweierlei Weise: in dem Objekt + und in dem Subjekt, – in der Natur und im Geiste. Die Schönheit ist + jedoch das Durch- scheinen der Idee durch den Stoff. Das wahrhaft Schöne + ist nur der Geist und alles das, was dem Geiste teilhaftig ist. Deshalb + ist die Schönheit der Natur nur der Schein der dem Geiste eigenen Schön- + heit: das Schöne hat nur als Geistiges wahrhaften Gehalt. Aber das + Geistige muß in der sinnlichen Form erscheinen. Die sinnliche Äu- ßerung + des Geistes jedoch ist nur der Schein. Und dieser Schein ist die + eigentliche Wirklichkeit des Schönen. Sodaß die Kunst die 46 + Verwirklichung dieses Scheines der Idee und zugleich mit der Reli- gion + und Philosophie das Mittel ist, die tiefsten Interessen der Men- schen + und die umfassendsten Wahrheiten des Geistes zum Bewußt- sein zu bringen + und auszusprechen. Wahrheit und Schönheit sind nach Hegel ein und + dasselbe: der Unterschied besteht nur darin, daß die Wahrheit die Idee + ist, wie diese an sich und dem allgemeinen Prinzip nach ist und als + solches gedacht wird. Die Idee jedoch, die äußerlich existiert, wird für + das Bewußtsein nicht blos wahr, son- dern auch schön. Das Schöne ist das + Scheinen der Idee +
++ --- Was ist Kunst?, Leo N. Tolstoi, Aus dem Russischen von Michail + Feofanov (1902) --- +
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